Die Analyse kommt für Personen mit Verdacht auf Alzheimer-Krankheit in allen klinischen Stadien der Erkrankung (Mild Cognitive Impairment, MCI, und Demenzstadium) in Betracht. Durchgeführt werden kann die Analytik im Blut mit ähnlicher diagnostischer Zuverlässigkeit wie die herkömmlichen Diagnoseverfahren.
Zur Diagnostik der Alzheimer-Erkrankung kommt in der labormedizinischen Praxis bislang die Liquoranalytik zum Einsatz, bei der die vier Parameter Total-Tau, pTau 181, Amyloid-ß 1-40 und Amyloid-ß 1-42 gemessen werden.
Auf Grundlage dieser Werte wird die Wahrscheinlichkeit einer zugrunde liegenden Alzheimer-Pathologie ermittelt.
Da die Liquorentnahme invasiv ist und die Analyse sowohl kostenaufwendig als auch nicht flächendeckend verfügbar ist, erleichtert die blut-basierte Analytik die Biomarker-gestützte Diagnostik 1,2.
Was ist neu?
Vor diesem Hintergrund wurden Biomarker aus Blutproben untersucht, darunter pTau 217, ein sensitiver und spezifischer Marker für die Alzheimer-Pathologie mit einer hohen diagnostischen Diskriminierungsfähigkeit (AUC 0,93–0,96, je nach untersuchter Kohorte)3–6.
Bereits in frühen klinischen Stadien können erhöhte Konzentrationen von pTau 217 in Blutproben festgestellt werden. Durch die guten diagnostischen Eigenschaften4,6–8 eignet sich pTau 217 als zuverlässiger, eigenständiger Parameter für die biomarker-basierte Diagnose der Alzheimer-Erkrankung in allen klinischen Stadien.
Ergänzend zum Biomarker pTau 217 aus Serum können auch die Biomarker pTau 181, Amyloid-ß 1-40 und Amyloid-ß 1-42 im EDTA-Blut angefordert werden. Auf Grundlage dieser Werte wird in Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Labor Bremen der Plasma-Protein-Demenz-Score (PPD-Score) berechnet, der eine Beurteilung der zugrunde liegenden Alzheimer-Pathologie unterstützt9. Zur Abklärung eines Verdachts auf Alzheimer-Erkrankung kann deshalb ein stufendiagnostisches Vorgehen zur Anwendung kommen, wie zum Beispiel im wiedergegebenen Algorithmus in Abbildung 1.
Key-Points
- Bluttest mit ähnlichen oder besseren diagnostischen Eigenschaften als herkömmliche Diagnoseverfahren8.
- Diagnostische Unterstützung in allen klinischen Krankheitsstadien: blut-basierte Biomarker (BBB) stehen im Kern der neuropathologischen Diagnostik, vergleichbar mit bekannten diagnostischen Verfahren.
- pTau 217: Sensitiver und spezifischer Marker mit hoher Zuverlässigkeit (AUC 0,93–0,96)6.
- PPD-Score: Ergänzende Informationen mit zusätzlichen Biomarkern. (pTau 181, Amyloid-Beta-Quotient 1-40/1-42).
Abbildung 1
1. Stufe: Klinischer und neurokognitiver Verdacht auf Alzheimer- Erkrankung.
2. Stufe: Untersuchungen: bildgebend und biomarker-basiert (z. B. pTau 217 aus Blut, allenfalls PPD-Score (mit zusätzlich pTau 181, Amyloid-Beta-Quotient 1-40/1-42)
3. Stufe: Weitergehende Untersuchungen: nuklearmedizinisch, Biomarker im Liquor
Abb. 1: Stellenwert der blut-basierten Biomarker (BBB) bei Verdacht auf Alzheimer-Erkrankung, adaptiert und vereinfacht nach Frisoni et al.10
In einer 1. Stufe erfolgt die Feststellung einer kognitiven Beeinträchtigung, eines allfälligen Stagings, die Identifizierung von sekundären Ursachen und die Veranlassung von diagnostischen Tests und Untersuchungen.
In der 2. Stufe erfolgt der Ausschluss weniger offensichtlicher sekundärer Ursachen, das endgültige kognitive Staging und die Formulierung der syndromalen Diagnose inkl. Erstellung der ätiologischen (molekularen) Hypothese.
In der 3. Stufe werden die ätiologischen Hypothesen mittels Bildgebung sowie Biomarkermessung bestätigt oder verworfen.
Probengewinnung
Benötigt wird für die Analyse Serum und EDTA-Plasma. Die Blutentnahme sollte möglichst nüchtern erfolgen und sowohl Serum als auch EDTA-Plasma nach Gewinnung in Sekundärröhrchen aus Polypropylen überführt werden.
- 400 μl Serum (pTau 217), gekühlt oder gefroren
- 2,5 ml EDTA-Plasma (PPD-Score), gekühlt oder gefroren. Das Röhrchen mehrfach vorsichtig schwenken, Hämolyse vermeiden. Gekühlt gelagert, sollte das Plasma binnen 24 Stunden von den korpuskulären Blutbestandteilen getrennt werden. Ungekühlt muss das Plasma nach 3 Stunden vom Blutkuchen getrennt werden.
Stabilität
3 Tage gekühlt, 2 Wochen bei –20 °C
Methode
Durchgeführt werden die Analysen mittels Chemilumineszenz-Enzym-Immunoassay (CLEIA) auf dem Lumipulse G (Fujirebio).
Abrechnung
Untersuchungsaufträge werden nur von Ärztinnen und Ärzten entgegengenommen. Die Labordiagnostik ist derzeit eine Selbstzahlerleistung und unterliegt nicht der Leistungspflicht im Rahmen der OKP.
- pTau 217: 78 CHF
- PPD-Score: 208 CHF
Autoren
- Dr. scient. med. Julia Telser, FAMH
- Prof. Dr. med. Lorenz Risch, FA für Allgemeine Innere Medizin, FAMH
- Prof. Dr. med. Reto Krapf, FA für Allgemeine Innere Medizin, Facharzt für Nephrologie
Referenzen:
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